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  #1  
Alt 10.01.2016, 13:18
Domi Domi ist offline
aktiver Benutzer
 
Registriert seit: 02.06.2015
Beiträge: 15
Standard Das ist so schade

Vor einigen Tagen war auf der Facebook - Seite ein posting von einer Sternenmama, die auch ein Foto ihres Sternchens mit Mützchen und Decke von der Klinikaktion beigefügt hatte.
Sie war sehr dankbar dafür.
Das hat mich sehr gefreut, mal so eine direkte Rückmeldung zu lesen.
Weiter schreibt die Mama jedoch, dass ihr Kind diese Kleidung nicht mehr anhatte, als es vom Bestatter abgeholt wurde.

Was ist da passiert???
Ist das üblich? Wird die Kleidung weiterverwendet?
Bei einer Decke kann ich das ja verstehen, aber ein Mützchen verbleibt doch beim Kind?
Das ist doch echt schade, nun hatte das Sternchen vermutlich wieder nichts passendes an....

Liebe Grüße,
Dominique
mit Luca ganz fest im Herzen (9.SSW, 5.12.2007)
und zwei Wundern glücklich an der Hand
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  #2  
Alt 10.01.2016, 15:38
Benutzerbild von Dani21
Dani21 Dani21 ist offline
Moderatorin und Projektleiterin der Klinikaktion
 
Registriert seit: 27.03.2005
Beiträge: 4.041
Standard

Hallo Dominique,

erstmal, wo genau schreibt sie das denn? Ich sehe das Foto, aber nichts weiter.

Dann dazu ganz grundlegend, denn es ist eine wichtige Sache, die Du ansprichst. Und auch wenn ich nicht "schon wieder" das gleiche schreiben möchte wie schon dutzende Male, muss ich es leider. Es liegt an dem, was wir immer wieder sagen: Fehlende Kleidung ist nur das SYMPTOM, nicht die Krankheit.

In den Kliniken ist der richtige Umgang mit Eltern und Kind noch immer ein großes, riesiges, furchtbar schwerwiegendes Problem. In den letzten Jahren zeichnete sich ein Trend ab, der uns allen etwas Hoffnung machte. Aber seit sich die Geburtshilfe so verschlechtert hat, gehen wir in Siebenmeilenstiefeln wieder zurück.

Und parallel dazu kommt eben der Trend, dass Sternenkindersachen zu produzieren total modern ist.

Das beides ist in der Mischung eine fast tödliche Mischung für den richtigen Umgang und die Betreuung stiller und zu früher Geburten in unseren Kliniken. Was wir hier momentan erleben, ist für uns regelrecht frustrierend, niederschmetternd und menschlich desaströs.

Um Deine Frage konkret zu beantworten. NATÜRLICH sollte das Baby die Kleidchen auch in der Pathologie mit anbehalten und dort vom Bestatter bekleidet abgeholt werden - oder zumindest die Kleider mitgegeben werden. Um das in die Pathologie hinein zu kommunizieren, bedarf es aber einer ganz entscheidenen Sache: Mitgefühl, "Wollen", Schulung, Engagement, Empathie.

Und all das ist zurzeit in den Kliniken in Bezug auf Sternenkinder und deren Eltern eine aussterbene Rasse geworden. Gerade war ein Umdenken zu spüren, weg von der Generation der Pfleger/innen und Hebammen, die noch vollkommen zufrieden damit waren, Sternenkinder schlicht und ergreifend in den Stationsmüll zu werfen (denn das war bis vor einigen Jahren immer noch grausame Realität) und der Meinung waren, je weniger "Aufheben" man darum machte, desto besser wäre es für alle Beteiligten.

Doch dann geschahen zwei Dinge. Zum einen verschlechtere sich die Geburtshilfe massiv, weil in den letzten 2-3 Jahren, maßgeblich jedoch 2015, so viele Hebammen das Handtuch warfen, so viele Entbindungsstationen dicht machen wie nie zuvor. Somit haben wir eine Unterversorgung in der Geburtshilfe und die kostbaren Ressourcen reichen oft nicht einmal mehr zur "guten" Geburtsbegleitung von lebenden Kindern, schon gar nicht von sterbenden oder toten. Es ist keine Zeit, keine Ressource mehr vorhanden, um im Kreißsaal ein totes oder sterbendes Kind zu gebären, die Geburt zu begleiten, einen Abschied zu gestalten.

Und dann ist eben auch keine Zeit und kein "Antrieb" mehr dafür da, zum Beispiel der Pathologie zu erklären, wieso das Kind die Kleider anlassen soll oder sie zumindest archiviert und dem Bestatter übergeben werden. Es muss alles huschhusch und schnell-schnell gehen. Menschlichkeit bleibt dabei oft auf der Strecke.

Die berichte von Frauen, die mutterseelenallein in einem Krankenhausbett auf irgendeiner Station alleine ihre Kinder bekommen, häufen sich in erschreckendem Maße.

Und dann passierte eben noch etwas. Sternenkindersachen herstellen wurde "trendy" und viel zu wenige derjenigen, die auf diese Welle aufspringen, haben sich auch nur einen kleinen Moment damit beschäftigt, worum es eigentlich geht oder wo das Problem liegt. Ob nun für ein Sternenkind oder einen Pinguin, es ist der Wunsch, etwas gemeinnütziges zu tun, eigentlich ein wunderschöner Wunsch, der aber im Sternenkinder-Themengebiet zu Gift werden kann, wenn man nicht aufpasst. Wieso erklärt sich schnell. Viele Helferlein möchten zwar werkeln, sich aber nicht an richtlinien orientieren. Sie möchten das herstellen, was ihnen gefällt, aus der Wolle, die ihnen gefällt (oder Stoff oder oder oder) und so wie es ihnen einfach behagt. Sie verstehn nicht, wieso es Richtlinien gibt oder was sie sollen, fühlen sich manchmal sogar regelrecht brüskiert davon. Sie haben nicht den Antrieb, sich mit der eigentlichen Problematik zu beschäftigen und reduzieren sie darauf, dass es ein Kleidchen fehlt und alles paletti ist, wenn man der Klinik ein Kleidchen gibt.

Somit gibt es dutzende, unzählige kleine Gruppen, die sich diesem Thema verschrieben haben und aus "bitte keine richtlinien" oder "ich mach es eh besser als jemand anders" heraus die Kliniken selbstständig versorgen.

das führt dazu, dass teilweise ein- zweimal pro Woche jemand vor der Kreißsaaltüre steht und die Hebammen mit oft nicht wirklich brauchbaren Sachen von der Arbeit abhält. Und darum schmeissen immer mehr Hebammen, die früher mit uns zusammengearbeitet haben, den Hörer auf, wenn sie unseren Namen nur hören. DENN: Sie denken natürlich, das seien wir gewesen. Für Klinikpersonal gibt es nur eine Organisation, die das macht und die sie kennen. Sie können keine differenzierten Detai-Unterscheidungen machen.

Und genau dann passiert eben so etwas wie es dieser mama geschehen ist.
Oder dass es kein erinnerungsstück gibt.
Oder keine Informationsmaterialien.
Dass die Eltern nicht wussten, dass sie bestimmte Rechte haben, denn es war niemand da, der sie ihnen erklärte. Sie hatten auch keine Broschüre oder so etwas (wenn es nicht gerade zufällig von einer anderen Orga abgefangen wurde).

Sie hatten keine Adressen an der Hand, an die sie sich wenden konnten.
Weil wir nicht mehr in der Klinik "drin" sind, sondern die kleine Pfarrstrickgruppe, die lieber eigenständig werkelt, weil sie halt auch gerne schwarze Wolle verstricken möchten, wenn sie schon was machen.

Und natürlich auch, weil die Kreißsäle überfüllt sind, die Hebammen völlig unterbesetzt.

Das, was dieser Mama passierte - also eine Abweichung vom Optimum - passiert jeden Tag und jede Stunde, oftmals noch viel viel krasser. Wir hatten mit unseren Boxen und der gutem KOmmunikation in viele Kliniken vor 2-3 Jahren eine gute Plattform gefunden, daran zumindest ein wenig etwas zu ändern. Aber inzwischen ist alles wieder sehr schwierig geworden.

-------------------
Liebe Grüße
Daniela


info@klinikaktion.de
www.klinikaktion.de





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  #3  
Alt 10.01.2016, 17:57
Regine Regine ist offline
aktiver Benutzer
 
Registriert seit: 27.01.2013
Ort: Rheinland
Beiträge: 168
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Ach Dani, das ist alles so traurig was du schreibst,bzw. was da passiert.
Soviel Kälte und Lieblosigkeit, kein Einfühlungsvermögen, kein Mitleid,auf welchem Weg sind wir denn?
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  #4  
Alt 10.01.2016, 21:19
Domi Domi ist offline
aktiver Benutzer
 
Registriert seit: 02.06.2015
Beiträge: 15
Standard

Vielen Dank, Dani, für deine ausführlichen Worte.
Es ist echt traurig und frustrierend, wie es sich grade in der Arbeit mit den Sternenkindern und der Geburtshilfe überhaupt verschlechtert.
Aber weißt du was, wir von der Klinikaktion lassen uns nicht unterkriegen!
Ihr habt die letzten Jahre so viel aufgebaut, so viel ausgetüftelt und entwickelt. Das lassen wir uns nicht kaputt machen. Wir kämpfen weiter, dann wird es auch wieder besser!
Wir alle hier tragen die Infos weiter und sind Multiplikatoren für den richtigen Umgang!

Die Mama bei Facebook hat übrigens in den Besucherbeiträgen vom 22.12. geschrieben.

Liebe Grüße,
Dominique
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